Vom 23. bis 28. November 2025 machte sich die Behindertenseelsorge Zürich mit 36 Personen auf den Weg nach Rom. Mit dabei waren Menschen im Rollstuhl, blinde und sehbehinderte Personen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen, freiwillige Begleitpersonen, zwei Priester und das Team der Behindertenseelsorge Zürich. Eine Gruppe so vielfältig wie das Leben selbst – und eine Reise, die alle bewegte.
Organisiert wurde die Reise von Igor Lukenda, Stellenleiter der Behindertenseelsorge Zürich, und seinem Team. Unter dem Jahresmotto «Mut tut gut» lebten sie vor, was Behindertenseelsorge ausmacht: Hindernisse gemeinsam überwinden, Wege öffnen und echte Teilhabe ermöglichen.
Ein Car voller Leben
Schon die lange Busfahrt wurde zum Erlebnis: Carfahrer Toni brachte die Gruppe nicht nur sicher nach Italien, sondern begleitete die Reise mit Geschichten, Anekdoten und Humor. Eine spontane Trompeteneinlage auf der Piazza Navona oder volkstümliche Lieder am Abschlussabend, begleitet von seiner Quetschkommode, liessen die Gruppe tanzen, lachen und zusammenwachsen.
Auf dem Weg gab es ein erstes Highlight: ein Überraschungsstopp beim Mailänder Dom – und die erste Herausforderung, sich als grosse Gruppe durch Menschenmengen zu bewegen. Ein Vorgeschmack auf Rom.
Mittendrin statt nur dabei – die Papstaudienz
Früh aufstehen gehörte dazu, besonders am Tag der Papstaudienz. Für viele war das Gedränge auf dem Petersplatz eine grosse Herausforderung. Umso grösser die Erleichterung und Dankbarkeit, als die Schweizer Garde die Gruppe durch ihre Kaserne und einen Seiteneingang direkt zu den reservierten Plätzen führte.
Dann der grosse Moment: Der Papst fuhr ganz nah an ihnen vorbei. Einige lächelten, andere hielten die Luft an – wieder andere wischten sich verstohlen die Tränen. «Es ist etwas völlig anderes, es live zu erleben, statt nur im Fernsehen», fasste eine Teilnehmerin zusammen. «Man spürt die Stimmung. Man ist Teil davon.» — Katharina
Kirchen, Begegnungen – und gelebte Inklusion
Trotz Treppen, Hindernissen und Kopfsteinpflaster konnte die ganze Gruppe alle bedeutenden Orte besuchen.
Beim Besuch der Lateranbasilika und in der Waffenkammer der Schweizer Garde zeigte sich eindrücklich, was möglich ist, wenn viele Hände mithelfen: Rollstühle wurden über Stufen getragen, Wege gemeinsam überwunden, niemand blieb zurück. Besonders berührend war der Moment, als sehbehinderte Teilnehmende Schwerter und Helme ertasten durften – ein sinnliches Erlebnis, das ihnen den Ort auf besondere Weise erschloss.
Zwischen den grossen Programmpunkten gab es viele kleine Glücksmomente: eine Kugel Glace in der Sonne, ein neugieriger Blick in ein Geschäft, erste mutige Schritte in einer fremden Umgebung. Manche überwanden Ängste, probierten Neues aus – und erlebten, wie gut es tut, Teil einer tragenden Gemeinschaft zu sein.
Spirituelle Tiefe im Alltag der Reise
Jeder Tag endete mit einer kurzen Besinnungsrunde. Drei Teilnehmende hatten ihre Instrumente dabei – Flöte und Piano begleiteten Gebete und Gesang. So wuchs die Gruppe von Tag zu Tag enger zusammen: beim Essen, in Gesprächen über Sorgen und Freude, beim Teilen von Alltag und Abenteuer. Auch kleine Unsicherheiten – ein verloren gegangenes Handy oder ein verlegtes Portemonnaie – wurden gemeinsam gelöst. Der Geist des Pilgerns, der Hoffnung und des Vertrauens war spürbar.
Kleine Wunder am Wegesrand
Auf der Rückfahrt wurde in einer Kirche im Tessin Halt gemacht. Eigentlich nur zum Durchatmen gedacht, verwandelte sich dieser Stopp in einen Moment reiner Freude: Spontan stimmten die Pilgerinnen und Pilger Lieder an – die Kirche füllte sich mit Klang, Dankbarkeit und einem tiefen Gefühl des Zusammenhalts.
Eine Reise, die bleibt
Müde, erfüllt und reich beschenkt kehrte die Gruppe nach Zürich zurück. Viele kleine Gesten – gemeinsame T-Shirts, Pilgertücher, eine Pilgerurkunde – wurden liebevoll gehütete Erinnerungen. Eine Teilnehmerin war so gerührt, dass ihr die Tränen kamen.
Die vielen Stimmen der Freiwilligen und Teilnehmenden bezeugen es:
«Ich freue mich jetzt schon, wieder mit euch unterwegs zu sein.» — Irene
«Ich kannte kaum jemanden – und fand eine unglaublich warmherzige Gemeinschaft.» — Edith
«Es war eine geschenkte Woche, an die ich lange denken werde.» — Erika
Diese Pilgerreise war mehr als ein Besuch in Rom. Sie war gelebte Inklusion, geteilte Spiritualität – und ein gemeinsamer Weg, der Mut gemacht hat.
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von Katharina Kleiser
Bildnachweis: © Kath. Behindertenseelsorge im Kanton Zürich
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